Nachtrag zum iLearning

Vor etwa einer Woche haben wir auf eine Debatte verwiesen, die sich damit befasst, wie deutsche Universitäten iTunes U nutzen und auf diese Weise ‚Platform Politics‘ betreiben. Diese Debatte hat sich nun ein Stück weiter gedreht: Wie die TagesWEBschau berichtet, lässt die FU Berlin verlauten, iTunes U solle nicht exklusiv, sondern nur als erste Plattform zum Einsatz kommen: 

Leonhard Dobusch bewertet dies auf netzpolitik.org als ein „Zurückrudern“ wegen des starken öffentlichen Echos und gibt sich besänftigt.

Was auch immer der Anlass für die zuerst von der FU geforderte Exklusivität gewesen ist – die Frage nach dem Verhältnis der Universitäten zu proprietären Plattformen stellt sich damit immer lauter. Diese Frage hat mindestens zwei Dimensionen:

1. Welche (Plattform-)Abhängigkeiten schafft die Universität? (Wird vermutlich am ehesten problematisch im Misserfolgsfall)

Ein Beispiel, wie problematisch die Abhängigkeit von Plattform-Diensten sein kann, lieferte gerade erst Google mit dem Einstellen seines RSS-Readers: Für Google lohnte er sich nicht mehr, und so gab es erst quasi keine Updates mehr; nun wird er ganz eingestellt. Wessen Arbeitsroutinen und -möglichkeiten dies hemmt, behindert oder unmöglich macht, zählt freilich nicht (wer will dies Google auch verübeln…?). Im Falle von iTunes U müsste es dabei gar nicht so weit kommen, dass Apple den Dienst eines Tages einstellt oder damit droht. Denn angesichts überfüllter Hörsäle (und den Ursachen dafür) dürfte eher das Gegenteil eintreten:

2. Zu wessen Produkt macht sich die Universität zu welchem Preis? (Wird vermutlich am ehesten problematisch im Erfolgsfall)

Der netzökonomische Merksatz „If you don’t pay, you’re the product“ zählt natürlich auch hier. Welchen Preis also zahlt die Universität dafür, dass sie nicht selbst eine äquivalente Plattform betreiben oder mit unterstützen muss? Ist es die Aufmerksamkeit der Studierenden für Produkte im iTunes-Store? Eine Steigerung von Apples Markenwert als Anbieter akademischen Arbeitsgeräts? Sind es Daten, die die Plattform so über seine (zukünftig hochqualifizierten) Nutzer erheben und an Personalabteilungen verkaufen kann? Darüber lässt sich trefflich spekulieren. Weniger spekulativ dürfte aber die Annahme sein, dass sich Apple darüber weit mehr im Klaren ist, als die Universitäten.

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