Was ist Datenkritik? Erster Workshop der AG Daten und Netzwerke

Am 26. und 27. Juli 2013 findet in Köln unser erster gemeinsamer Workshop statt. Wir laden alle an digitaler Medienkultur Interessierten herzlich zur Teilnahme ein. Besonders freuen wir uns über datenkritische Beiträge vorab, zu denen dieser Call for Participation inspirieren soll.

Daten, Daten, nichts als Daten? Wer jüngere Diskurse um Informationsvisualisierung, die Macht der Rechenzentren, den digital (selbst‑)vermessenen Körper, Open Data in Demokratie und Forschung, Big Data in der Wirtschaft, aber auch den Datenschutz aufmerksam verfolgt, kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es dringend einer differenzierenden Betrachtung und Kritik von medialen Datenpraktiken bedarf. Der erste Workshop der 2012 gegründeten AG Daten und Netzwerke verfolgt darum zwei Ziele: Zum einen sollen die Perspektiven und Methoden einer medienkulturwissenschaftlichen Datenkritik ausgelotet werden, die mit den jüngsten Entwicklungen Schritt halten kann, ohne sich mit ihnen gemein zu machen. Zum anderen sollen grundsätzliche Fragen und Begriffe der vernetzten digitalen Medienkultur offen diskutiert werden, die als Grundlage für die weitere Arbeit dienen können.

Datenkritik, so vermuten wir, kann sich von der Technik nicht dadurch trennen, dass sie ausschließlich historische und epistemologische Möglichkeitsbedingungen betrachtet. Mit Daten wird gehandelt – auch in der Datenkritik. Trennungen von Analysematerial, ‑methoden, und -ergebnissen sind daher schwer zu bestimmen. Ausgehend von den Entwicklungen in der Text- und Bildkritik wollen wir fragen, wie man mit derart verschwimmenden Grenzen produktiv umgehen kann. Wenn Betrachter im Bild sind und Leser den Text mit konstitutieren, wie verhalten sich dann beispielsweise Subjektivierung und Datenpraktiken zueinander?

Welche Analysemöglichkeiten bieten hierfür computerbasierte Methoden, die international in den Digital Humanities bereits erprobt werden, etwa von Lev Manovich oder Richard Rogers? Die neuen digitalen Methoden bergen zugleich die Gefahr eines unkritischen Positivismus. Daher ist das in Softwaretools eingelassene Wissen kritisch anzuwenden, ohne affirmativ all dessen Annahmen zu bejahen. Die Erforschung rezenter internetbasierter Medienkulturen scheint zudem ohne empirische Vorgehensweisen und situierte Medienforschung kaum mehr leistbar: Digitale Methoden erweitern jene Felder, die Medienethnografie, Science Studies und Medienarchäologie ohne sie kaum noch bestellen können. Sind alte Grenzziehungen, etwa zur soziologischen und kommunikationswissenschaftlichen Forschung, unter den Bedingungen sozialer Medien aufrechtzuerhalten?

Vor diesem Hintergrund freut sich die AG Daten und Netzwerke über prägnante Beiträge und Positionspapiere zu Fragen der Datenkritik, aber auch generellen Aspekten digitaler Medienkultur, die auf dem gemeinsamen Workshop in Köln intensiv diskutiert werden sollen. Lektürevorschlage und Software-Präsentationen sind ebenso willkommen.

Textvorschläge können als Abstracts mit maximal 2.500 Zeichen bis zum 30. Mai 2013 per E-Mail an Sebastian Gießmann und Marcus Burkhardt gesendet werden. Die ausgewählten fertigen Beiträge mit bis zu 20.000 Zeichen werden vorab an alle Mitglieder der AG verschickt. Sie müssen bis zum 23. Juni 2013 bei den Veranstaltern eingegangen sein.

Themen können unter anderem sein:

  • Wer handelt wie mit welchen Daten?  (soziale und kulturelle Situierung, politische Debatten zu Öffentlichkeit und Privatsphäre, Ökonomisierung von Daten)
  • Kultur- und Medientechniken der Datenerzeugung und ‑verarbeitung (vom Selbstschreiber zur Datenbank, von der Tabelle zum Open Graph)
  • Codierungs- und Übersetzungsformen von Daten: analog/digital; kontinuierlich/diskret, alphanumerisch/audiovisuell, ästhetische Versprechen von Informationsvisualisierung und ‑sonifikation, Wie ,,groß“ sind große Daten?
  • Orte der Datengewinnung: Büro, Verwaltung, Rechenzentrum, Internetcafé, Coworking Space, Labor, Börse (…)
  • Subjekte, agency und Datenverarbeitung: Transformationen von Überwachung, Selbsttechniken und Kontrolle, Quantified Self, Gamification, staatliche Registratur und Gouvernemedialiät, neue Aktenführung in sozialen Netzwerken
  • Rechtskulturen analoger und digitaler Daten: Legitimieren, Löschen, Begrenzen, Befreien, Transparentmachen, Schützen
  • Digitale Methoden in der Medienkulturwissenschaft: neue Empirie, Tools, Ideologien, Grenzen, Vermittlung

Die für jede/n offene AG Daten und Netzwerke ist Teil der Gesellschaft für Medienwissenschaft. Für Mitglieder der GfM kann ein Zuschuss zu den Reisekosten übernommen werden. Eine Veröffentlichung der Beiträge im Open Access ist geplant.

Beginn:             26. Juli, 14 Uhr
Ende:                27. Juli, 18 Uhr (mit offenem Ende für’s Beisammensein)
Ort:                   Universität Köln, Seminargebäude, Raum S11 (26.7.);
Hörsaal V, Hauptgebäude (27.7.)
WWW:              datanetworks.wordpress.com
Twitter:              #AGDN
Kontakt:            post@sebastiangiessmann.de | marcus.burkhardt@inkubator.leuphana.de

Advertisements

Ein Gedanke zu „Was ist Datenkritik? Erster Workshop der AG Daten und Netzwerke

  1. Pingback: Wie man Datenkritik betreibt. Kleiner Workshopbericht zum Weiterschreiben | Daten und Netzwerke

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s