William Binney und der Netzwerkgraph der NSA

Im verdienstvollen Liveblog zur 11. Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses am 3. Juli gibt es endlich einmal Klartext zu den Netzwerktechniken der Geheimdienste. William Binneys berufliche Karriere bei der NSA liest sich wie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in die Netzwerküberwachung hinein:

Wir haben einen Netzwerkgraph der gesamten Welt erstellt. Da konnten wir in einzelne Netzwerke reinzoomen und all deren E-Mails und Anrufe herausfiltern. Das hatten die damals nicht, deswegen haben sie mich danach gefragt. (William Binney, befragt von Patrick Sensburg)

Leider gibt es dazu (noch) keine historische Datierung, außer der biografischen Rahmung, die mit zwischen 1970-2001 angegeben wurde. Die Kopplung mit dem Programm Thinthread – das zugunsten des sog. Trailblazer Project aufgegeben wurde – lässt einen (vagen) Rückschluss auf das Jahr 1999 zu.

Aufschlussreich sind auch Binneys Aussagen über die geplante Überwachung des internen Netzwerks der NSA, die ab 1992 auch alle Analysten „fast in Echtzeit“ unter Dauerbeobachtung gestellt hätte – eine déformation professionelle, gegen die sich der Apparat selbst gewehrt hat.

Die Selbstkritik Binneys könnte auch nicht härter ausfallen als hier, und sie betrifft die Netzwerkanalysemacht schlechthin:

Tim Ostermann: Im Stern sagten sie, es tut ihnen leid, Programme entwickelt haben, die sich gegen die komplette Menschheit richten. Welche Programme waren das?

Binney: Ich meinte die Programme, die die komplette Welt als sozialen Graphen mappen.

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