Profile: Individualisierung, Kollektivierung und Klassifizierung durch Daten

3. Workshop der AG Daten und Netzwerke der GfM
Braunschweig, 03./04.07.15

In gegenwärtigen Diskursen zu Daten und Netzwerken ist der Profil-Begriff ebenso präsent wie schillernd, wird er doch einerseits vor dem Hintergrund des ökonomischen Imperativs zur Selbstdarstellung, andererseits vor dem Hintergrund einer Angst vor Überwachung diskutiert. Beide mit demselben Begriff beschriebenen Phänomene sind dabei zwar miteinander verknüpft, jedoch nicht nur in ihrer technischen Implementierung verschieden, sondern auch mit unterschiedlichen Praktiken der Profilierung, anderen Ästhetiken (oder auch Anästhetiken), und anderen normativen Bewertungen verbunden. Trotz oder vielleicht ausgerechnet vor dem Hintergrund dieser Disparitäten scheint der Begriff etwas auf den Punkt zu bringen, dass die mediale Repräsentation bzw. gar Konstitution ‘des Menschen’ unter den Bedingungen von Daten und Netzen betrifft.

Vor diesem Hintergrund bieten der Begriff des Profils und die Phänomene, die er bezeichnet, vielversprechende Ansatzpunkte für theoretische und analytische Zugänge zur gegenwärtigen Medienkultur und den darin entworfenen Subjektkonzepten. Dieser Annahme folgend wird der zweite Workshop der AG Daten und Netzwerke der GfM verschiedene bestehende Perspektiven auf Profile aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammenführen und in Austausch miteinander bringen.

Freitag, 03.07.2015

14:00 – 14:30:
Einführung durch die OrganisatorInnen

14:30 – 15:30:
Andreas Bernard (Lüneburg) „Profil, Erfassung, Selbstdesign“
(Diskutant: Andreas Weich)

15:30 – 16:00:
Pause

16:00 – 17:00:
Andreas Weich (Braunschweig) „Profilieren und profiliert werden“
(Diskutantin: Katja Grashöfer)

17:00 – 18.00:
Fabian Pittroff (Kassel) „Profile als Labore der Privatheit?“
(Diskutant: Jan-Hendrik Passoth)

20:00:
Abendessen

Samstag, 04.07.2015

09:30 – 10:30:
Nikolaus Lehner (Wien)  „Das digitale Selbst zwischen Doppelgängertum und Post-Entfremdung“
(Diskutantin: Bianca Westermann)

10:30 – 11:30:
Martin Schmitt (Potsdam) „Die Informationalisierung des Menschen“
(Diskutant: Martin Degeling)

11:30 – 12:30:
Mittagspause

12:30 – 13:30:
Martin Degeling (Bochum) „Googles Interessenprofiling“
(Diskutant: Theo Röhle)

13:30 – 14:30:
Abschlussdiskussion und Thesenwerkstatt

14:30 – 15:30:
Slot zur Besprechung von Fragen zur AG und Vernetzung

Die ausformulierten Beiträge werden vorab an alle Teilnehmenden verschickt und stellen statt eines Vortrags die Grundlage für die Diskussionen im Workshop dar. Bei Interesse an einer Teilnahme bitten daher um Anmeldung bis spätestens 26. Juni 2015.

Der Workshop wird organisiert von AG-Mitgliedern der TU Braunschweig (Andreas Weich, Julius Othmer), der HBK Braunschweig (Theo Röhle), des Hans-Bredow-Instituts (Jan-Hinrik Schmidt), der TU München/MCTS (Jan-Hendrik Passoth) und der Ruhr-Universität Bochum (Martin Degeling, Katja Grashöfer, Bianca Westermann).

Ort: TU Braunschweig, Bienroder Weg 97, Raum 97.8.

WWW: datanetworks.wordpress.com
Twitter: #AGDN

Kontakt:
Andreas Weich
Theo Röhle
Julius Othmer

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CfP: Workshop „Profile“

Profile: Individualisierung, Kollektivierung und Klassifizierung durch Daten
3. Workshop der AG Daten und Netzwerke der GfM
Braunschweig, 03./04.07.15

Call for Participation

In gegenwärtigen Diskursen zu Daten und Netzwerken ist der Profil-Begriff ebenso präsent wie schillernd. Im Kontext von Social Networking Sites bezeichnet er beispielsweise sowohl die Darstellungsform des Nutzeraccounts als auch das Produkt der Auswertung personenbezogener Daten zum Zweck der Personalisierung von Werbung. Beide mit demselben Begriff beschriebenen Phänomene sind dabei zwar miteinander verknüpft, jedoch nicht nur in ihrer technischen Implementierung verschieden, sondern auch mit unterschiedlichen Praktiken der Profilierung, anderen Ästhetiken (oder auch Anästhetiken), und anderen normativen Bewertungen verbunden – einerseits vor dem Hintergrund des ökonomischen Imperativs zur Selbstdarstellung, andererseits vor dem Hintergrund einer Angst vor Überwachung. Über Profile lässt sich somit gleichermaßen in Diskursen zum Datenschutz, im Marketing, in Bewerbungsratgebern, in der Psychologie, der Kriminalistik und vielem mehr reden. Trotz oder vielleicht ausgerechnet vor dem Hintergrund dieser Disparitäten scheint der Begriff etwas auf den Punkt zu bringen, dass die mediale Repräsentation bzw. gar Konstitution ‘des Menschen’ unter den Bedingungen von Daten und Netzen über all diese Bereiche hinweg betrifft. Insofern kann ‘das Profil’ im Sinne Jürgen Links als inter(spezial)diskursives Konzept zur Rede über ‘den Menschen’ in Form von Daten veranschlagt werden. Als Untersuchungsgegenstände sind Profile dabei sowohl in der Medienwissenschaft, der Kommunikationswissenschaft als auch der Mediensoziologie und der Rechtswissenschaft unter verschiedenen Prämissen virulent.

Vor diesem Hintergrund scheinen der Begriff des Profils und die Phänomene, die er bezeichnet, vielversprechende Ansatzpunkte für theoretische und analytische Zugänge zur gegenwärtigen Medienkultur und den darin entworfenen Subjektkonzepten zu sein. Dieser Annahme folgend soll der zweite Workshop der AG Daten und Netzwerke der GfM verschiedene bestehende Perspektiven auf Profile aus unterschiedlichen Fachbereichen zusammenführen und in Austausch miteinander bringen. Das Ziel kann und soll dabei nicht sein, eine Art konsensfähiger ‘Definition’ ‘des Profils’ zu synthetisieren, sondern unterschiedliche Lesarten des Begriffs, unterschiedliche Phänomene und unterschiedliche Zugänge zu diskutieren und  gegenseitig füreinander produktiv zu machen.

Die AG Daten und Netzwerke freut sich über prägnante Beiträge und Positionspapiere zur Begriffsarbeit am Profil-Konzept, phänomenbezogene Fallstudien zu spezifischen Profilen sowie  allgemeine Überlegungen zur Rolle von Profilen in der Medienkultur, die auf dem gemeinsamen Workshop in Braunschweig intensiv diskutiert werden können.

Themenbereiche können unter anderem sein:

  • Profile als Repräsentationen ‘des Menschen’
  • Profile als Subjektivierungs- und Regierungsform
  • Profiling als Praxis zwischen Überwachung und Selbstdarstellung
  • Das Profil als inter(spezial)diskursives Konzept
  • Geschichte des Profils als Konzept der Menschenverdatung
  • Technologien (und deren Implikationen) zur Generierung und/oder Erstellung von Profilen (Datenbanken, Data Mining, Scoring, Big Data etc.)
  • Profile/Profiling und Datenschutz
  • Profile, Vergleichbarkeit und Matching
  • Profile und Personalisierung
  • Profile als Interface und ästhetische Form
  • Profile als Instrument zur Kommunikation in Netzwerken/Social Media
  • Profile und Profiling als Instrumente der Fahndung
  • Profile, Typologisierung und Klassifikation

Der Workshop wird organisiert von AG-Mitgliedern der TU Braunschweig (Andreas Weich, Julius Othmer), der HBK Braunschweig (Theo Röhle), des Hans-Bredow-Instituts (Jan-Hinrik Schmidt), der TU München/MCTS (Jan-Hendrik Passoth) und der Ruhr-Universität Bochum (Martin Degeling, Katja Grashöfer, Bianca Westermann). Textvorschläge können als Abstracts mit maximal 2.500 Zeichen bis zum 01. Mai 2015 per E-Mail an Andreas Weich, Theo Röhle und Julius Othmer gesendet werden. Die ausgewählten fertigen Beiträge mit 10.000 bis 20.000 Zeichen werden vorab an alle Mitglieder der AG verschickt und stellen die Grundlage für die Diskussionen im Workshop selbst. Sie müssen bis zum 15. Juni 2015 bei den Veranstaltern eingegangen sein.
Die für jede/n offene AG Daten und Netzwerke ist Teil der Gesellschaft für Medienwissenschaft. Für Mitglieder der GfM kann ein Zuschuss zu den Reisekosten übernommen werden.
Beginn: 03. Juli, 14 Uhr
Ende: 04. Juli, 18 Uhr (mit offenem Ende für’s Beisammensein)
Ort: TU Braunschweig, Bienroder Weg 97, Raum 97.8.
WWW: datanetworks.wordpress.com
Twitter: #AGDN
Kontakt:
Andreas Weich
Theo Röhle
Julius Othmer