Johannes Paßmann und Carolin Gerlitz: ‚Good‘ platform-political reasons for ‚bad‘ platform-data. Zur sozio-technischen Geschichte der Plattformaktivitäten Fav, Retweet und Like

In this article, we explore the relation between platform activities and their usage practices. Taking departure from predefined activities offered by social media platforms, this paper inquires into what may happen if platform features cater to opposing user practices. The paper investigates whether the data they produce can be considered as ‘bad’ platform data, just as Harold Garfinkel conceptualized ‘bad’ clinical records, and does so by engaging with the socio-technical history of Facebook’s Like and Twitter’s retweet and favourite button and their associated cultures of usage.
In a first step, we question popular bottom-up narratives that present platform features as appropriations of emergent user practices, such as in the case of the retweet button. In a second step, we draw on ethnographic research on the German Favstar sphere – a group of popular Twitter amateurs with specific cooperation practices – to trace the divergent and at points even contradictory user practices in the case of the favourite button. In both cases, the politics of data visibility are of central importance, and a third group of actors appears besides the platform and its users, which recombines existing platform data into new contexts according to specific practices of usage for features. Such ‘satellite platforms’, we argue, can provide ‘good’ platform-political reasons for platform activities to produce ‘bad’ data.
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Irina Kaldrack und Christian Köhler: Das Datenhandeln – Zur Wissensordnung und Praxeologie des Online-Handels

‘Classical’ media practices were difficult to observe, always requiring external tools and methods. Digital media fundamentally changed this situation. Media use and data production have converged, such that practices basically record themselves. Such practices have become what we call ‘data acting/trading‘. Using the example of online shopping, we discuss how software, interfaces and the  media practices of users and providers interact. Thereby, we show the complex relations between the experiences of users as individuals, their role as prosumers, and their representation as data sets in a digital media environment.

Florian Sprenger: Die Kontingenz des Gegebenen. Zur Zeit der Datenkritik

Critique becomes risky when it is implicit. In a historical perspective and following the etymological roots, the paper conceptualizes different modes of critique and makes their epistemological foundations explicit. The idea of a critique of data was for the first time presented by Agentur Bilwet and Frank Hartmann in the 1990s. Following these traces, the article explores how Michel Foucaults genealogical model of critique can be applied to the objects of data-critique. Consequently, it asks how critique itself can be accomplished by data, how we can judge on the given, and finally, what all this means for media studies.

(Paper – in German | Discussion)

„Was ist Datenkritik?“ – Ausgabe 3.1 / 2014 von „Mediale Kontrolle unter Beobachtung“

Die Beiträge unseres ersten Workshops „Was ist Datenkritik?“ sind veröffentlicht worden! Wir dokumentieren hier das Inhaltsverzeichnis – die Links führen direkt auf die Plattform „Mediale Kontrolle unter Beobachtung„. Als Herausgeber fungierten Marcus Burkhardt und Sebastian Gießmann.

Sebastian Gießmann und Marcus Burkhardt:
Was ist Datenkritik? Zur Einführung (Volltext|Diskussion)

Florian Sprenger:
Die Kontingenz des Gegebenen.
Zur Zeit der Datenkritik
(Volltext|Diskussion)

Florian Püschel:
Big Data und die Rückkehr des Positivismus.
Zum gesellschaftlichen Umgang mit Daten
(Volltext|Diskussion)

Irina Kaldrack und Christian Köhler:
Das Datenhandeln –
Zur Wissensordnung und Praxeologie des Online-Handels
(Volltext|Diskussion)

Annika Richterich:
Google Trends:
Using and Promoting Search Volume Indicators for Research
(Volltext|Diskussion)

Johannes Paßmann und Carolin Gerlitz:
‚Good‘ platform-political reasons for ‚bad‘ platform-data.
Zur sozio-technischen Geschichte der Plattformaktivitäten
Fav, Retweet und Like (Volltext|Diskussion)

Valentin Dander:
Von der ‚Macht der Daten‘ zur ‚Gemachtheit von Daten‘.
Praktische Datenkritik als Gegenstand der Medienpädagogik
(Volltext|Diskussion)

Alle Beiträge dieser Ausgabe sind unter CC-BY-SA veröffentlicht.

Die Herausgeber danken allen Autorinnen, Autoren und Mitdiskutierenden des Workshops, ohne die diese Veröffentlichung nicht möglich gewesen wäre. Stephan Packard sei herzlich für seine Bereitschaft gedankt, die Artikel auf der Freiburger Plattform Mediale Kontrolle unter Beobachtung zu publizieren. Die Gesellschaft für Medienwissenschaft, die AG Medien der Kooperation (Siegen) und das Hybrid Publishing Lab (Lüneburg) haben das Projekt finanziell unterstützt, wofür wir ebenfalls herzlich danken. Das Lektorat der Beiträge haben Die Lektorinnen Dr. Alke Dohrmann und Dr. Katrin Schöne mit viel Feingefühl für die Anforderungen einer Online-Publikation besorgt.

Das Editorial Board der Medialen Kontrolle unter Beobachtung dankt den Herausgebern und allen Beiträgerinnen und Beiträger sehr herzlich. Wir danken ebenso Helga Göhring-Schneider und Paula Szedlak für die sorgfältige Unterstützung der Endredaktion.

Open Access: Theo Röhle: Der Google-Komplex

Auf der AG-Sitzung auf der GfM-Jahrestagung hatte ich ja schon angekündigt, dass ich den Blog auch als einen Ort dafür ansehe, regelmäßig auf medien- und netzwissenschaftliche Publikationen hinzuweisen, die als Open Access verfügbar sind.

Den Anfang macht, wie könnte es anders sein: Theo Röhle: Der Google-Komplex. Über Macht im Zeitalter des Internets. transcript: Bielefeld 2010.

 

Craig Dalton und Jim Thatcher zu „critical data studies“

Die datenkritischen Wortmeldungen werden lauter: Auch die Geografie setzt sich als großdatenverarbeitende Disziplin mit ihren neuesten Medienpraktiken auseinander, wie man am Craig Daltons und Jim Thatchers bei „Society and Space“ erfolgter Intervention erlesen kann. What does a critical data studies look like, and why do we care? Seven points for a critical approach to ‘big data’ benennt die Agenda nach einem siebenfachen Anlauf wie folgt:

  • „What historical conditions lead to the realization of ‘big data’ such as it is? (Barnes and Wilson, forthcoming; Dalton 2013)
  • Who controls ‘big data,’ its production and its analysis? What motives and imperatives drive their work? (Thatcher 2014)
  • Who are the subjects of ‘big data’ and what knowledges are they producing? (Haklay 2012)
  • How is ‘big data’ actually applied in the production of spaces, places and landscapes? (Kitchin and Dodge 2011)
  • What is to be done with ‘big data’ and what other kinds of knowledges could it help produce? (Shah 2014)“

Unsere eigenen Beiträge zum Thema erscheinen dieser Tage auf medialekontrolle.de und sind stärker entlang von Medienpraktiken gelagert: Die Obsession hinsichtlich großer Daten, die die Geografen sichtlich plagt, ist für die Medienwissenschaft schon jetzt weniger idée fixe denn kultur- und sozialwissenschaftlicher Gegenstand.

mobile media: ←making↑cooperation↓work→ Siegen, 19. bis 21. Juni 2014

Die diesjährige internationale Jahrestagung des DFG-Graduiertenkollegs ‚Locating Media‘ widmete sich dem Phänomenbereich der mobilen Medien, der die interdisziplinäre Medienforschung vor neue Herausforderungen stellt. Ausgangspunkt war dabei die Beobachtung, dass die Differenz von „Online-Gehen“ und „Online-Sein“ gerade durch digital-vernetzte Medienpraktiken fragwürdig geworden ist: Wenn Medien immer kleinteiliger, beweglicher, fluider und „smarter“ werden, und gleichzeitig Teil von großen Infrastrukturen und alltäglichen Praktiken des Infrastrukturierens bleiben, wie lassen sie sich empirisch erforschen und medienanalytisch beschreiben? Weiterlesen

Was wir im letzten Jahr getan haben – Bericht für die Gesellschaft für Medienwissenschaft

Drei Vorhaben standen im Mittelpunkt der AG „Daten und Netzwerke“, deren Größe auf 59 Mitglieder angewachsen ist (Stand: Juli 2014). Zum einen haben Marcus Burkhardt und Sebastian Gießmann die Ergebnisse des ersten gemeinsamen Workshops „Was ist Datenkritik?“ (Köln, 26/27. Juli 2013) zur Publikationsreife gebracht: Die Beiträge von Florian Sprenger, Florian Püschel, Irina Kaldrack/Christian Köhler, Annika Richterich, Johannes Paßmann/Carolin Gerlitz und Valentin Dander werden 2014 im Online-Journal „Mediale Kontrolle unter Beobachung“ auf www.medialekontrolle.de publiziert. Weiterlesen

William Binney und der Netzwerkgraph der NSA

Im verdienstvollen Liveblog zur 11. Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses am 3. Juli gibt es endlich einmal Klartext zu den Netzwerktechniken der Geheimdienste. William Binneys berufliche Karriere bei der NSA liest sich wie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in die Netzwerküberwachung hinein:

Wir haben einen Netzwerkgraph der gesamten Welt erstellt. Da konnten wir in einzelne Netzwerke reinzoomen und all deren E-Mails und Anrufe herausfiltern. Das hatten die damals nicht, deswegen haben sie mich danach gefragt. (William Binney, befragt von Patrick Sensburg)

Leider gibt es dazu (noch) keine historische Datierung, außer der biografischen Rahmung, die mit zwischen 1970-2001 angegeben wurde. Die Kopplung mit dem Programm Thinthread – das zugunsten des sog. Trailblazer Project aufgegeben wurde – lässt einen (vagen) Rückschluss auf das Jahr 1999 zu.

Aufschlussreich sind auch Binneys Aussagen über die geplante Überwachung des internen Netzwerks der NSA, die ab 1992 auch alle Analysten „fast in Echtzeit“ unter Dauerbeobachtung gestellt hätte – eine déformation professionelle, gegen die sich der Apparat selbst gewehrt hat.

Die Selbstkritik Binneys könnte auch nicht härter ausfallen als hier, und sie betrifft die Netzwerkanalysemacht schlechthin:

Tim Ostermann: Im Stern sagten sie, es tut ihnen leid, Programme entwickelt haben, die sich gegen die komplette Menschheit richten. Welche Programme waren das?

Binney: Ich meinte die Programme, die die komplette Welt als sozialen Graphen mappen.

Die Wahrheit über das IPAD – Lori Emerson über „andere Netzwerke“

Lori Emerson hat einen schönen kleinen Blogpost über die Geschichte des Internetworkings geschrieben, drüben im Blog der University of Minnesota Press. Es geht um alte Bulletin Board Systeme (BBS) und vor allem The Thing, begründet im Jahr 1991. In diesem Kontext geht es dann auch um das erste „IPAD“, aber dieses Stück Netzwerkarchäologie liest man dann am besten im Original.

Und es ist noch mehr zu erwarten. Lori Emerson schreibt:

The first part of the OTHER NETWORKS project I’ve been focusing most on is titled „50 Years of Other Networks, 2015-1965“ and is in the lineage of a few critical-creative hybrid media studies books. „50 Years of Other Networks,“ then, will be a catalogue of networks existing outside of or pre-dating the Internet. Consisting of a stack of unbound, loose sheets of paper packaged in a box, each sheet—beginning with the present and moving back into the past—will provide metadata of a sort, a description, and short analysis of an „other“ network so that the material form of the project allows readers to actively dig through a network archaeology.