William Binney und der Netzwerkgraph der NSA

Im verdienstvollen Liveblog zur 11. Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses am 3. Juli gibt es endlich einmal Klartext zu den Netzwerktechniken der Geheimdienste. William Binneys berufliche Karriere bei der NSA liest sich wie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in die Netzwerküberwachung hinein:

Wir haben einen Netzwerkgraph der gesamten Welt erstellt. Da konnten wir in einzelne Netzwerke reinzoomen und all deren E-Mails und Anrufe herausfiltern. Das hatten die damals nicht, deswegen haben sie mich danach gefragt. (William Binney, befragt von Patrick Sensburg)

Leider gibt es dazu (noch) keine historische Datierung, außer der biografischen Rahmung, die mit zwischen 1970-2001 angegeben wurde. Die Kopplung mit dem Programm Thinthread – das zugunsten des sog. Trailblazer Project aufgegeben wurde – lässt einen (vagen) Rückschluss auf das Jahr 1999 zu.

Aufschlussreich sind auch Binneys Aussagen über die geplante Überwachung des internen Netzwerks der NSA, die ab 1992 auch alle Analysten „fast in Echtzeit“ unter Dauerbeobachtung gestellt hätte – eine déformation professionelle, gegen die sich der Apparat selbst gewehrt hat.

Die Selbstkritik Binneys könnte auch nicht härter ausfallen als hier, und sie betrifft die Netzwerkanalysemacht schlechthin:

Tim Ostermann: Im Stern sagten sie, es tut ihnen leid, Programme entwickelt haben, die sich gegen die komplette Menschheit richten. Welche Programme waren das?

Binney: Ich meinte die Programme, die die komplette Welt als sozialen Graphen mappen.

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Taktiken der Ermüdung – „einbruch der dunkelheit“ in Berlin

Die Kulturstiftung des Bundes hat in Zusammenarbeit mit der Berliner Gazette an der Berliner Volksbühne am 25. und 26. Januar eine Konferenz mit dem Titel „einbruch der dunkelheit – Theorie und Praxis der Selbstermächtigung in Zeiten digitaler Kontrolle“ veranstaltet. Einige der Beiträge und zusätzliche Interviews mit Beteiligten können auf dctp.tv angesehen werden. Als dringliche Fragen wurden adressiert:

Wie sehen politisch emanzipatorische Gegenstrategien zu den Kontrollmechanismen der Sicherheitsgesellschaft aus? Bedarf es einer stärkeren demokratischen Kontrolle von Schutzräumen? Ist das Verlangen nach Privatheit lediglich regressiver Eskapismus oder kann es tatsächlich in die Freiheit führen? Wie sind neue Formen von Privatheit mit digital gestützten Praktiken politischer Partizipation vereinbar? Was sollte man als Bürger tun? (Auszug aus der Tagungsbroschüre)

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Wie man Datenkritik betreibt. Kleiner Workshopbericht zum Weiterschreiben

Mit dem ersten Workshop »Was ist Datenkritik?«, der in Zusammenarbeit mit der Siegener AG »Medien der Kooperation« am 26. und 27. Juli 2013 an der Universität Köln stattfand, hat die AG zeitnah und erfolgreich den aktuellen Diskurs um ›Big Data‹, das Soziale der ›Sozialen Medien‹ und auch die politisch brennenden Fragen im Kontext einer allgemeinen »liquid surveillance« (Baumann/Lyon 2012) aufgenommen. Zugleich ging es in dem von Marcus Burkhardt (Lüneburg), Sebastian Gießmann (Siegen) und Stefan Udelhofen (Köln) inhaltlich und organisatorisch vorbereiteten Workshop um die Konturen eines medienkulturwissenschaftlichen Umgangs mit analogen und vor allem digitalen Daten. Weiterlesen

Einleitung zum Workshop „Was ist Datenkritik?“ (Update)

Hier war der Livestream zu „Was ist Datenkritik?“ zu sehen. Wir haben die Einleitung von Marcus Burkhardt und Sebastian Gießmann mit einem minimalistischen technischen Setup gestreamt – danach ging es dann offline in medias res. Die AG Daten und Netzwerke ist nach wie vor gespannt auf Ihre Interventionen! Gerne hier in den Kommentaren oder auf Twitter mit dem Hashtag #AGDN. Wir freuen uns auf Reaktionen zu unserem ersten Workshop! Das Programm finden Sie hier.

Das Streamvideo beginnt bei Minute 1 … und die inhaltliche Einführung ab Minute 6:30.