Valentin Dander: Von der ‚Macht der Daten‘ zur ‚Gemachtheit von Daten‘. Praktische Datenkritik als Gegenstand der Medienpädagogik

In contrast to the approaches used in media studies, data critique in media pedagogy is conceptualized in analogy to competence-based media critique and connected to individual and collective agency. This leads to productive aspects of data critique that emerge alongside its negative-critical orientation. Open Government Data thereby appear as an apt field for experimentation towards the competencies necessary for practical data critique.
(Paper in German | Discussion)

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Wie man Datenkritik betreibt. Kleiner Workshopbericht zum Weiterschreiben

Mit dem ersten Workshop »Was ist Datenkritik?«, der in Zusammenarbeit mit der Siegener AG »Medien der Kooperation« am 26. und 27. Juli 2013 an der Universität Köln stattfand, hat die AG zeitnah und erfolgreich den aktuellen Diskurs um ›Big Data‹, das Soziale der ›Sozialen Medien‹ und auch die politisch brennenden Fragen im Kontext einer allgemeinen »liquid surveillance« (Baumann/Lyon 2012) aufgenommen. Zugleich ging es in dem von Marcus Burkhardt (Lüneburg), Sebastian Gießmann (Siegen) und Stefan Udelhofen (Köln) inhaltlich und organisatorisch vorbereiteten Workshop um die Konturen eines medienkulturwissenschaftlichen Umgangs mit analogen und vor allem digitalen Daten. Weiterlesen

Einleitung zum Workshop „Was ist Datenkritik?“ (Update)

Hier war der Livestream zu „Was ist Datenkritik?“ zu sehen. Wir haben die Einleitung von Marcus Burkhardt und Sebastian Gießmann mit einem minimalistischen technischen Setup gestreamt – danach ging es dann offline in medias res. Die AG Daten und Netzwerke ist nach wie vor gespannt auf Ihre Interventionen! Gerne hier in den Kommentaren oder auf Twitter mit dem Hashtag #AGDN. Wir freuen uns auf Reaktionen zu unserem ersten Workshop! Das Programm finden Sie hier.

Das Streamvideo beginnt bei Minute 1 … und die inhaltliche Einführung ab Minute 6:30.

Open Data & Co: Sind Daten die Lösung? Und wenn ja, was ist eigentlich das Problem?

Was in der Diskussion zu Quantified Self bereits anklang und in den Kommentaren kontrovers aufgegriffen wurde, ist der Aspekt der Demokratisierung durch Daten. Man kann sich die Frage stellen, welches ermächtigende Potenzial die allgemeine Verfügbarkeit von (medizinischen, volkswirtschaftlichen, ökologischen, etc.) Daten birgt. Was im Kollektiven Partizipation und informiertere Entscheidungen verspricht (vgl. Open Data), mag auch für den Einzelnen Bestand haben. Schließlich ist es eine altbekannte Machtstrategie, Arkanwissen anzuhäufen und es zur Kontrolle von Entwicklungen einzusetzen. Die Forderung nach Datentransparenz scheint da folgerichtig und klug, vielleicht insbesondere, wenn es um die eigene Person geht.

Doch die Geschichte hat noch eine andere Seite, die in der Debatte um Open Data selten thematisiert wird, wie der deutschsprachige Wikipedia-Artikel zeigt. Gegen Open Data wird dort unter anderem angebracht, dass es urheber- und patentrechtliche Herausforderungen gibt und der Datenmissbrauch erleichtert werde. Ganz anders könnte eine kulturwissenschaftliche Kritik vorgehen, die aufzeigt, wie die Hoffnung in Daten Probleme mit einem spezifischen Framing versieht: Wenn wir nur mehr Informationen haben, können wir jedes Problem der Welt lösen!

Und an dieser Stelle finde ich Evgeny Morozovs Vorwurf des „solutionism“ durchaus treffend, d.h. die Vorstellung, man könne jedes Phänomen als lösbares Problem beschreiben und entsprechend einen technological fix bereitstellen. Diese ist Teil der sog. Californian Ideology und wird in der Startup-Szene von Silicon Valley und den TED-Konferenzen stetig erneuert. Besonders zynisch: Africa? There’s an app for that. Eine verbesserte Datenlage erzeugt schnell das Gefühl, man habe die Situation im Griff und könne eine adäquate Lösung ableiten bzw. (noch besser) automatisch generieren lassen. Die daraus resultierende Frage lautet: Wie verhalten sich Daten & Politik? Oder: Ist eine Daten-Demokratie denkbar und wie sähe diese aus? Das sind zwar große Fragen, aber m.E. sind sie von einiger Aktualität, wie u.a. die anhaltenden Konflikte innerhalb der Piratenpartei bezeugen. Dazu habe ich an anderer Stelle ein paar Gedanken formuliert.