Open Data & Co: Sind Daten die Lösung? Und wenn ja, was ist eigentlich das Problem?

Was in der Diskussion zu Quantified Self bereits anklang und in den Kommentaren kontrovers aufgegriffen wurde, ist der Aspekt der Demokratisierung durch Daten. Man kann sich die Frage stellen, welches ermächtigende Potenzial die allgemeine Verfügbarkeit von (medizinischen, volkswirtschaftlichen, ökologischen, etc.) Daten birgt. Was im Kollektiven Partizipation und informiertere Entscheidungen verspricht (vgl. Open Data), mag auch für den Einzelnen Bestand haben. Schließlich ist es eine altbekannte Machtstrategie, Arkanwissen anzuhäufen und es zur Kontrolle von Entwicklungen einzusetzen. Die Forderung nach Datentransparenz scheint da folgerichtig und klug, vielleicht insbesondere, wenn es um die eigene Person geht.

Doch die Geschichte hat noch eine andere Seite, die in der Debatte um Open Data selten thematisiert wird, wie der deutschsprachige Wikipedia-Artikel zeigt. Gegen Open Data wird dort unter anderem angebracht, dass es urheber- und patentrechtliche Herausforderungen gibt und der Datenmissbrauch erleichtert werde. Ganz anders könnte eine kulturwissenschaftliche Kritik vorgehen, die aufzeigt, wie die Hoffnung in Daten Probleme mit einem spezifischen Framing versieht: Wenn wir nur mehr Informationen haben, können wir jedes Problem der Welt lösen!

Und an dieser Stelle finde ich Evgeny Morozovs Vorwurf des „solutionism“ durchaus treffend, d.h. die Vorstellung, man könne jedes Phänomen als lösbares Problem beschreiben und entsprechend einen technological fix bereitstellen. Diese ist Teil der sog. Californian Ideology und wird in der Startup-Szene von Silicon Valley und den TED-Konferenzen stetig erneuert. Besonders zynisch: Africa? There’s an app for that. Eine verbesserte Datenlage erzeugt schnell das Gefühl, man habe die Situation im Griff und könne eine adäquate Lösung ableiten bzw. (noch besser) automatisch generieren lassen. Die daraus resultierende Frage lautet: Wie verhalten sich Daten & Politik? Oder: Ist eine Daten-Demokratie denkbar und wie sähe diese aus? Das sind zwar große Fragen, aber m.E. sind sie von einiger Aktualität, wie u.a. die anhaltenden Konflikte innerhalb der Piratenpartei bezeugen. Dazu habe ich an anderer Stelle ein paar Gedanken formuliert.

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