mobile media: ←making↑cooperation↓work→ Siegen, 19. bis 21. Juni 2014

Die diesjährige internationale Jahrestagung des DFG-Graduiertenkollegs ‚Locating Media‘ widmete sich dem Phänomenbereich der mobilen Medien, der die interdisziplinäre Medienforschung vor neue Herausforderungen stellt. Ausgangspunkt war dabei die Beobachtung, dass die Differenz von „Online-Gehen“ und „Online-Sein“ gerade durch digital-vernetzte Medienpraktiken fragwürdig geworden ist: Wenn Medien immer kleinteiliger, beweglicher, fluider und „smarter“ werden, und gleichzeitig Teil von großen Infrastrukturen und alltäglichen Praktiken des Infrastrukturierens bleiben, wie lassen sie sich empirisch erforschen und medienanalytisch beschreiben? Weiterlesen

„Mobile Media. Making Cooperation Work“ – Siegen, 19.-21. Juni 2014

Mobile Medien: Kein anderer Phänomenbereich hat so unmerklich und doch fundamental Arbeits- und Lebensweisen verändert und die Medienwissenschaft vor neue Herausforderungen gestellt. Gegenstände vernetzen sich und werden smarter, Infrastrukturen werden sichtbarer und Medien immer kleinteiliger, beweglicher und fluider. Weiterlesen

„Netzwerke überwachen“ – die AG auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft

Netzwerke überwachen Netzwerke: Ein geheimdienstlicher Verbund aus „fünf Augen“ zapft materielle Netzwerke an (Unterseekabel), schöpft digitale Netzwerke ab (Google, Facebook), um Metadaten zu sammeln, die Auskunft geben über (terroristische und
andere soziale) Netzwerke. Vor diesem Hintergrund wollen wir die verschiedenen Wissensordnungen von Netzwerken und ihre Daten-Praktiken diskutieren. Vier Referate laden zu einer ausführlichen Diskussion ein. Weiterlesen

Frisch erschienen: Amodern 2 – „Network Archaeology“

Eine der spannendsten Neuerscheinungen in den USA ist ohne Zweifel das Online-Journal Amodern. „We have never done it this way before“ hieß es anlässlich der ersten, wunderschön illustrierten Ausgabe, die sich der Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens widmet. Nun ist die zweite Ausgabe, die ganz selbstverständlich im Open Access und online erscheint, live geschaltet worden. Sie dokumentiert eine Tagung, die in vielerlei Hinsicht an das anschließt, was Hartmut Böhme, Jürgen Barkhoff und Jeanne Riou mit einer Dubliner Tagung 2002 erreichen wollten: Eine Integration des Netzwerkthemas in die deutschsprachige kultur- und medienwissenschaftliche Forschung. So wie dies in einen noch papiernen Sammelband „Netzwerke“ (Köln, Weimar, Wien 2004) mündete, dokumentiert „Network Archaeology“ ebenfalls die Ergebnisse einer Tagung. Sie fand vom 21. bis 23. Januar 2013 an der Miami University in Oxford, Ohio statt, wo auch das Herausgeberteam Nicole Starosielski, Braxton Soderman und chris cheek beheimatet ist. Die produktive Oxforder Atmosphäre merkt man der Publikation, wie ich finde, auch deutlich an. Weiterlesen

Stimmen der Kulturwissenschaften 57: Über Netze und Netzwerke

Daniel Meßner, der zum Team von www.identifizierung.org gehört und die wunderbare Podcastreihe „Stimmen der Kulturwissenschaften“ macht, hat in letzter Zeit mehrere Netzwerk-relevante Interviews geführt, u.a. mit Nacim Ghanbari und mir. Am Ende unseres in Berlin während der re:publica geführten Gesprächs geht es auch direkt um die Arbeitsgemeinschaft „Daten und Netzwerke“ – und davor kreuz und quer um eine kulturtechnisch informierte Netzwerkgeschichte.

Auf der Website ist der Diskurs bestens aufgearbeitet und gegliedert, hier geht es zum Interview und hier direkt zum MP3-Download. Weiterlesen

Große Daten, analytische Gesten und praktische Datenkritik

 Die Utrecht Data School hat am 25. April im Zuge der Big Data Week ein Symposium zum Umgang mit Big Data veranstaltet. In diesem Kontext fokussierte sich das Symposium sowohl auf akademische als auch wirtschaftliche Perspektiven auf Big Data und verdeutlichte dadurch die Unterschiede zwischen Datenkritik und Datenverwertung.

Die akademischen Beiträge von Bernhard Rieder (Universiteit van Amsterdam), Johannes Paßmann (Universität Siegen), Ellen Bijsterbosch  und Thomas Boeschoten (beide Universiteit Utrecht) lenkten ihre Aufmerksamkeit vor allem auf die analytischen Operationen und den Umgang mit Algorithmen, APIs und statistischen Analyseverfahren.

Bernhard Rieder fokussierte seinen Vortrag auf sogenannte analytische Gesten und die Frage, wie Big Data qualitative und quantitative Forschungsmethoden zusammenbringen. Ausgehend von Philip Agres Idee der „Grammars of action“ diskutierte er, wie digitale Medien eine Grammatik der Interaktion und Formalisierung von Datenerhebung schaffen, welche im Kontext von Big Data in neue Sinnzusammenhänge gebracht werden kann. Nicht nur die Datensätze und Referenzpopulationen werden grösser, argumentierte Rieder, Big Data Forschung trägt selbst zur Multiplizierung von Daten bei. Zentrale Analysetechniken dabei sind Statistik und Netzwerktheorie, deren epistemischen Grundannahmen spezifische Sinnzusammenhänge von Daten schaffen und daher als analytischen Gesten zu verstehen sind.

Wie sehr solche analytischen Gesten von der Technizität der Medien abhängen verdeutlichte der Vortrag von Ellen Bijsterbosch über Twitter als Gatekeeper. Während die Plattform täglich fast 600 Millionen Tweets speichert, haben Forschungsprojekte und Unternehmen nur sehr begrenzten freien Zugang über APIs, zum Beispiel zum Garden-Hose Sample (10% aller Tweets) oder zum ‚Spritzer’ (1%). Obwohl die Plattform betont, dass diese Auswahl auf zufälligen Stichproben basiert, verbleibt die der assoziierte Algorithmus als Blackbox und ist daher Subjekt von Kritik (boyd et al).

Der Vortrag von Johannes Paßmann entwickelte die Idee einer „praktischen Datenkritik“, die sich eben solchen analytischen Gesten zuwendet, wie Rieder sie vorher beschrieben hat und die nach einer Dokumentation und Reflektion von Analyseschritten im Umgang von Big Data fragt. Basierend auf seiner ethnografisch-digitalen Forschung zur „Favstar-Sphäre“ im deutschsprachigen Twitter nähert sich Paßmann dem Umgang mit Big Data mit der Metapher von Karte und Territorium. Um die Beziehung zwischen beiden nicht zu einer BlackBox werden zu lassen, fordert Paßmann eine verstärkte Explikation der Analyseschritte sowie eine situierte Nutzung von Algorithmen. Seine Antwort auf die Frage, wie man Algorithmen – wie zum Beispiel Twitter Accounts, die automatisch Deutschlands interaktions-stärkste Tweets berechnen – überhaupt für die eigene empirische Arbeit nutzen kann, rückt den Fokus zurück ins Feld: Wenn ein Algorithmus Relevanz für mediale Nutzungspraktiken hat, gewinnt er diese auch für methodologische Ansätze. Dieses Argument schließt an eine Idee in dem Aufsatz „Scraping the Social“ von Noortje Marres (Goldsmiths) und Esther Weltevrede (Universität von Amsterdam)  an.

In der Diskussion kristallisierten sich einige zentrale Herausforderungen für einen datenkritischen Umgang mit Big Data heraus: (1) Die zentrale Rolle von proprietären Algorithmen in der empirischen Forschung eröffnet Accountabilitäts-Probleme für ihre analytischen Gesten. Rieder schlägt in diesem Kontext vor, Algorithmen als mehr oder weniger glaubwürdige Informanten zu betrachten, während Paßmann einfordert, dass die Medienwissenschaft neue und spezifische Kriterien benötigt, um ihre Valenz oder Glaubwürdigkeit zu prüfen, um nicht mit „zwielichtigen Agenten“ zu arbeiten. Diese Kriterien können, so Paßmann, zum Beispiel durch ethnografische Dokumentation des Handelns mit Daten entwickelt werden. (2) Big Data verdeutlicht einmal mehr, wie dezentralisiert analytischen Kompetenzen in der Medienwissenschaft sind und wie problematisch eine zu diskrete Trennung von Erhebung, Ergebnissen und Analyse in der Forschung ist. (3) Daten, Methoden und Analyseverfahren im Kontext von Big Data überschneiden nicht nur disziplinäre Grenzen, viel mehr bedienen sich akademische Projekte kommerzieller Daten, Tools und Algorithmen und vice versa. Daten und Methoden kommen mit unterschiedlichen Valenzen für MediennutzerInnen, für die Forschung, für Plattformbetreiber sowie für Werbende. Die Rolle von medienwissenschaftlicher Datenkritik könnte daher sein, die Performativiät von analytischen Gesten zu verfolgen und die unterschiedlichen Wert- und Sinnzusammenhänge, in die Big Data geführt werden zu erfassen.

Unlike Us – ein neuer Reader und eine kommende Konferenz

Das Amsterdamer Institute for Network Cultures hat dieser Tage „Unlike Us Reader: Social Media Monopolies and Their Alternatives“ publiziert. Der von Geert Lovink und Miriam Rasch herausgegebene Band verschreibt sich einer Netzkritik der neuen computervermittelten sozialen Aushandlungen. Die nunmehr dritte Unlike Us-Konferenz wird unter dem Titel „Social Media – Design or Decline?“ am 22. und 23. März in Amsterdam stattfinden.

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