Big Data Blocksberg vs. Intuitionsmuskel

„Die Wissenschaft ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch Daten“ lautet der letzte Satz eines Artikels von Emanuel Derman, dessen deutsche Übersetzung heute in der FAZ und auf faz.net erschienen ist. Er umreißt darin eine Position, die größtenteils mit den auf diesem Blog (bisher) vertretenen Haltungen übereinstimmt: In der Debatte um Big Data komme der Wissenschaft vor allem die Aufgabe zu, eine kritische Haltung zu entwickeln und dabei könne ihr die Wissenschaftsgeschichte in besonderer Weise hilfreich sein.

Dermans wissenschaftshistorisch begründete Kritik lautet: Big Data seien nützlich, ohne die „klassische“ Stimme von Intuition, Modellen und Theorien blieben sie allerdings stumm. Dass er hierbei die Metapher der Stimme nutzt, darf man wohl als Spitze gegen Chris Andersons Ruf nach dem „Ende der Theorie“ auffassen, den Till A. Heilmann auf diesem Blog in die Diskussion einbrachte: Dieser transportiere die positivistisch grundierte Ideologie „(genug) Daten würden für sich selbst sprechen“, schrieb er am Montag im Kommentarbereich zu Sebastian Gießmanns jüngstem Post.

Emanuel Derman spricht hier aus der Position eines Insiders: Der südafrikanisch-amerikanische Physiker erlangte insbesondere durch die Entwicklung finanzmathematischer Modelle Bekanntheit.