mobile media: ←making↑cooperation↓work→ Siegen, 19. bis 21. Juni 2014

Die diesjährige internationale Jahrestagung des DFG-Graduiertenkollegs ‚Locating Media‘ widmete sich dem Phänomenbereich der mobilen Medien, der die interdisziplinäre Medienforschung vor neue Herausforderungen stellt. Ausgangspunkt war dabei die Beobachtung, dass die Differenz von „Online-Gehen“ und „Online-Sein“ gerade durch digital-vernetzte Medienpraktiken fragwürdig geworden ist: Wenn Medien immer kleinteiliger, beweglicher, fluider und „smarter“ werden, und gleichzeitig Teil von großen Infrastrukturen und alltäglichen Praktiken des Infrastrukturierens bleiben, wie lassen sie sich empirisch erforschen und medienanalytisch beschreiben? Weiterlesen

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William Binney und der Netzwerkgraph der NSA

Im verdienstvollen Liveblog zur 11. Sitzung des NSA-Untersuchungsausschusses am 3. Juli gibt es endlich einmal Klartext zu den Netzwerktechniken der Geheimdienste. William Binneys berufliche Karriere bei der NSA liest sich wie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung in die Netzwerküberwachung hinein:

Wir haben einen Netzwerkgraph der gesamten Welt erstellt. Da konnten wir in einzelne Netzwerke reinzoomen und all deren E-Mails und Anrufe herausfiltern. Das hatten die damals nicht, deswegen haben sie mich danach gefragt. (William Binney, befragt von Patrick Sensburg)

Leider gibt es dazu (noch) keine historische Datierung, außer der biografischen Rahmung, die mit zwischen 1970-2001 angegeben wurde. Die Kopplung mit dem Programm Thinthread – das zugunsten des sog. Trailblazer Project aufgegeben wurde – lässt einen (vagen) Rückschluss auf das Jahr 1999 zu.

Aufschlussreich sind auch Binneys Aussagen über die geplante Überwachung des internen Netzwerks der NSA, die ab 1992 auch alle Analysten „fast in Echtzeit“ unter Dauerbeobachtung gestellt hätte – eine déformation professionelle, gegen die sich der Apparat selbst gewehrt hat.

Die Selbstkritik Binneys könnte auch nicht härter ausfallen als hier, und sie betrifft die Netzwerkanalysemacht schlechthin:

Tim Ostermann: Im Stern sagten sie, es tut ihnen leid, Programme entwickelt haben, die sich gegen die komplette Menschheit richten. Welche Programme waren das?

Binney: Ich meinte die Programme, die die komplette Welt als sozialen Graphen mappen.

Die Wahrheit über das IPAD – Lori Emerson über „andere Netzwerke“

Lori Emerson hat einen schönen kleinen Blogpost über die Geschichte des Internetworkings geschrieben, drüben im Blog der University of Minnesota Press. Es geht um alte Bulletin Board Systeme (BBS) und vor allem The Thing, begründet im Jahr 1991. In diesem Kontext geht es dann auch um das erste „IPAD“, aber dieses Stück Netzwerkarchäologie liest man dann am besten im Original.

Und es ist noch mehr zu erwarten. Lori Emerson schreibt:

The first part of the OTHER NETWORKS project I’ve been focusing most on is titled „50 Years of Other Networks, 2015-1965“ and is in the lineage of a few critical-creative hybrid media studies books. „50 Years of Other Networks,“ then, will be a catalogue of networks existing outside of or pre-dating the Internet. Consisting of a stack of unbound, loose sheets of paper packaged in a box, each sheet—beginning with the present and moving back into the past—will provide metadata of a sort, a description, and short analysis of an „other“ network so that the material form of the project allows readers to actively dig through a network archaeology.

What are digital cultures? Neues aus Lüneburg

Im Lüneburger Digital Cultures Research Lab stellt man die großen Fragen:

  • What are digital cultures?
  • What are the potentials of digital cultures?
  • What are the dangers of digital cultures?
  • What lies beyond digital cultures?

Die Videoantworten dazu kann man in einer Interviewreihe anschauen (was hiermit herzlich empfohlen sei).

Literatur zur Datenkritik

Nachdem unser erster Workshop in Köln – trotz aller Hitze – jede Menge neue Gedanken auf den Weg gebracht hat, geht es nun auch an’s weitere Sammeln von Literatur. Ich habe dazu auf Vorschlag von Theo Röhle hin das AG-Etherpad reaktiviert. Unter https://pad.foebud.org/agdn könnt Ihr Eure Literatur- und Materialhinweise zur Datenkritik direkt mit hinzufügen. Meine Referenzen aus der Einführung habe ich schon einmal, ergänzt um Kate Crawford und danah boyd, mit aufgearbeitet.

Bitte schreibt doch über den August die Euch wichtigen Angaben mit einem kleinen Kommentar in [Klammern] hinzu. Sobald sich die Liste dann einmal gefüllt hat, stricken wir einen Blogbeitrag daraus. Mittelfristig kann man dann auch über eine kollaborative Literaturverwaltung nachdenken … Viel Spaß beim Jagen und Sammeln!

 

 

Stimmen der Kulturwissenschaften 57: Über Netze und Netzwerke

Daniel Meßner, der zum Team von www.identifizierung.org gehört und die wunderbare Podcastreihe „Stimmen der Kulturwissenschaften“ macht, hat in letzter Zeit mehrere Netzwerk-relevante Interviews geführt, u.a. mit Nacim Ghanbari und mir. Am Ende unseres in Berlin während der re:publica geführten Gesprächs geht es auch direkt um die Arbeitsgemeinschaft „Daten und Netzwerke“ – und davor kreuz und quer um eine kulturtechnisch informierte Netzwerkgeschichte.

Auf der Website ist der Diskurs bestens aufgearbeitet und gegliedert, hier geht es zum Interview und hier direkt zum MP3-Download. Weiterlesen

Digital Humanities und Medienkulturwissenschaft – #dhiha5

Am 10. und 11. Juni 2013 findet das 5. Kolloquium der Reihe „Digital Humanities am Deutschen Historischen Institut Paris“ statt, gemeinsam organisiert mit “L.I.S.A. – das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung” und unter Mitarbeit des Centre pour l’édition électronique ouvert (Cléo). Das DHIP hat dazu eine schicke Blogparade in’s Leben gerufen (dt./frz.), zu der auch dieser Text mit beitragen soll. Denn es ist auffällig, dass auch in der deutschsprachigen Medien- und Kulturwissenschaft ein Verharren in alten geisteswissenschaftlichen Methoden zu beobachten ist. Zwar ist die Disziplin aus sich heraus immer aufgefordert, die aktuellen Veränderungsprozesse zu kommentieren und zu verorten. Meistens läuft dies auf eine starke Relativierung und Differenzierung hinaus, wie etwa in diesem Blog zum Hype um „Big Data“ und „Quantified Self„. Demgegenüber stehen die „Digitalen Methoden“ gegenüber klassischen Zugriffsweisen wie der Diskursanalyse immer wieder, so scheint es, neu am Anfang. (Gute Beispiele liefert die Zeitschrift für Medienwissenschaft 2/2010 „Empirie“.)
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Friends and Fellows: Meet the Literature Technology Media Blog

Kurz annotiert: Das Literature Technology Media Blog bietet schöne Artikel über Literatur und ihre technischen und medialen Bedinungen (und umgekehrt). Gemacht wird es von Sarah Cain, Steven Connor, James Purdon, David Trotter und Emma Wilson. Besonders lesenswert ist die Rubrik „Object of the Month“, z.B. mit James Rileys Beitrag zum Flight Data Recorder als Black Box. Update your blogrolls!

Das Herausgeberteam schreibt über das Weblog:

The ever-intensifying technological mediation of experience has stimulated rich and diverse enquiry into technology’s long prosthetic coincidence with the human, from flint axe to smart-phone. In particular, there are now hugely informative histories of the social, political, and moral transformations wrought by the emergence from the mid-nineteenth century onwards of a proliferating array of communication technologies: once rivalrous, now, it may be, convergent. LTM’s emphasis will be primarily on developments since industrialization. Our purpose is to explore the part played in these developments by literature, broadly understood; or, to broaden the understanding yet further, by writing in general. How was it that technology and writing came to inform each other so extensively that today there is only information? The answer to that question might involve enquiry into the terms ‘technology’ and ‘media’, both surprisingly recent in common usage. LTM will promote the delivery of research by traditional and un-traditional means. The latter might include radio, television, and online platforms; and their use could involve some kind of graduate training programme, should the demand exist.

Bitcoin ‒ ein Experiment hofft auf ein Netzwerk

Das Experiment ‚Bitcoin‘ hat in den vergangenen Monaten zunächst erheblich an Bekanntheit und infolge an Wert gewonnen. Bitcoin ist digitale Währung und Zahlungssystem zugleich. Über ein Peer-to-Peer Computernetzwerk, das von sogenannten ‚Minern‘ gebildet wird, laufen sowohl Transaktionen als auch die Erzeugung neuer Bitcoins ab. Als Gegenleistung für die Teilnahme am Mining ‒ d.h. der Bereitstellung von Rechenleistung zur Abwicklung von Transaktionen und der Erzeugung ‒ erhalten die beteiligten Clients eine Transaktionsgebühr sowie Anteile neuer Bitcoins. Diese Gebühr ist zurzeit freiwillig, stellt jedoch einen Anreiz für Transaktionsbestätigungen und Signaturen durch die Clients dar. Bitcoin ermöglicht (potentiell anonyme) Transaktionen, ohne dass diese von Finanzintermediären verifiziert werden müssen. Das Bitcoin-Protokoll basiert auf Blockchain, einer dezentral verteilten Datenbank aller Transaktionen. Diese Speicherung sämtlicher, je getätigter Transaktionen macht Bitcoin für Fälschungen unanfällig. Die Begrenzung auf eine maximal mögliche Erzeugung von 21 Millionen Bitcoins stellt zudem in Aussicht, dass die Währung langfristig inflationssicher ist.

Nachdem der Bitcoin-Kurs auf der Handelsplattform Mt.Gox (folgend auf ein kurzzeitiges Rekordhoch) kürzlich drastisch fiel, kann man eine gewisse mediale Schadenfreude feststellen. Darin drückt sich mitunter eine Erleichterung der verunsicherten Beobachter aus. Weiterlesen

Der ultimative Zusammenhang von Daten und Netzwerken

Die Medien haben immer Recht – in diesem Fall die schöne App „Öffi„, durch die das Dickicht der Verkehrsnetze navigierbar wird. Bei nicht funktionierender Mobilfunkverbindung wartet die Android-Anwendung, in der Open Source und offene Daten zueinander finden, mit der hier abgebildeten Fehlermeldung auf. Heißt das schon, dass ohne Netzwerke Daten schlicht nicht zugänglich sind oder sollte die Generierung von Daten nicht auch eine Bedingung der Netzwerkbildung sein? In diesem Sinne gilt auch für die Datenkritik: „Nochmal versuchen“.

Fehlermeldung von Öffi, Version 7.68 auf Android 4.04, 23. März 2013.

Fehlermeldung von Öffi, Version 7.68 auf Android 4.04, 23. März 2013.